Der Widder und der Esel

steinmauer
In meinem Traum bin ich ein Widder. Ich nehme Anlauf, atme tief ein und presche los. Vor mir eine Mauer. Ich will auf die andere Seite, denn dort wartet meine Liebe auf mich. Also senke ich mein Haupt und ramme mit dem Schädel die aufgeschichteten Steine. Es rummst ganz beträchtlich, doch die Mauer steht noch dort. Also kehre ich um, nehme neuen Anlauf, diesmal einen längeren, um eine größere Geschwindigkeit zu erreichen. Doch auch dieses Mal hält die Mauer stand.

Immer wieder aufs Neue nehme ich Anlauf und schmettere meinen Schädel gegen die Steine. Besessen von dem Glauben ich müsste es nur besser machen um auf die andere Seite zu gelangen. Der richtige Winkel, die richtige Beschleunigung, die richtige Stelle im Mauerwerk. Stunden vergehen, Tage vergehen, meine Kräfte schwinden, und doch gebe ich nicht auf. Ich weiß einfach, dass ich auf die andere Seite gelangen muss. Der Fehler liegt bei mir, ich bin einfach noch nicht gut genug, muss weiter an mir arbeiten. Der Schmerz ist gut, sage ich mir, denn er treibt mich an, macht mich hart, hart genug für die Wand…

Ihr könnt euch vielleicht meine Verwunderung vorstellen, als ich mit blutigem Kopf und verschwommenem Blick beobachte, wie ein alter Esel an mir vorbeigeht, mir mit mitfühlendem Blick zunickt, und in aller Seelenruhe durch einen Torbogen, etwa 20 Meter zu meiner Rechten, die Mauer passiert und auf die andere Seite trottet. Sein fröhliches „I-AHH“ hallt dumpf in meinem Schädel nach, als ich mich schamvoll an seine Fersen hefte.

Willst du der Frau dienen, so ehre den Mann in dir

eros-and-agape

Quelle: http://www.louisparsons.com/soul-art-collection/

Selbstverständlich behält dieser Satz auch seine Gültigkeit in umgekehrter Richtung: willst du dem Mann begegnen, nach dem dein Herz sich sehnt, so ehre die Göttin in dir. Allzu oft verhaken wir uns in Projektionen: weil du mich nicht respektierst, siehst, bewunderst, nicht genug liebst, kann ich nicht glücklich sein. Wir machen unseren Partner/ unsere Partnerin zur Bedingung für unsere Selbsliebe und sind somit abhängig. In dieser Abhängigkeit verlieren wir unseren Magnetismus, unsere Attraktivität für unsere Liebste, unseren Liebsten – und erfahren die Ablehnung, die wir dann wiederum lautstark kritisieren. So stirbt der Respekt, die Erotik, und schließlich die Liebe.

Daher frage ich dich, Mann: kannst du mit deinem Schmerz allein sein? Kannst du ihn so halten wie eine Mutter ihr Neugeborenes? Kannst du es aushalten die Einsamkeit zu fühlen, die uns als Menschen begleitet? Kultiviere diese Präsenz in und mit dir, und erlebe dich in dieser Unabhängigkeit: da du dem Schmerz nicht mehr entkommen musst oder jemanden brauchst, der ihn dir nehmen soll, brauchst du auch nicht mehr vor ihr zu flüchten oder sie zu unterdrücken. Und wenn du eine Partnerin hast, die bereit ist mit dir tiefer zu gehen, wird sie dir ganz von selbst, von deiner in-sich-ruhenden Präsenz angezogen, ihr Herz offenbaren.

Und ich frage die Frau: kannst du in der Trennung deine Sehnsucht als Schönheit deines weiblichen Herzens ehren? Kannst du mit ihr atmen, und sie zu voller Größe anwachsen lassen? Dich in dein Becken sinken lassen und spüren, wie jede Zelle nach seiner Präsenz verlangt? Was das für eine Kraft ist! Atme einfach damit, atme auch mit der Angst, die Kontrolle zu verlieren, und fühle wie du beginnst von innen heraus zu leuchten. Wenn dein Herz schließlich übervoll ist und sich selbst in seinem Sehnen genügt, wirst du ihn nicht länger ändern wollen. So ist er frei sich deinem Herz zuzuwenden, und nur in seiner Freiheit wirst du dich ihm anvertrauen wollen, und er wird das Glück deiner Liebe erfahren dürfen.

Von der Angst geführt zum Leben

Beim Aufräumen alter Dateien auf meinem Computer fand ich ein Gedicht, das ich vor etwa drei Jahren verfasset habe, und dachte mir: „Das möchte ich gerne teilen!“ – und hübschte es grafisch noch etwas auf. Hier ist das Ergebnis:

VIELEZWEIEINS